Zwischenruf zur causa vollverschleierte Muslimin bei „Anne Will“

Die Wellen der Empörung schlagen hoch seit Sonntagabend. Anne Will hatte in ihre Sendung eine vollverschleierte Muslimin (nur die Augen waren sichtbar) aus der Schweiz eingeladen und ihr damit eine Plattform geboten, ihre Gedanken, Ahmad Mansour, ein anderer Gesprächsteilnehmer sprach von Propaganda, zu verbreiten.

„Schrecklich!“ schreibt der durchaus geschätzte Tobias Huch auf facebook. „Mit den 500 Euro Honorar für den Fensehauftritt bei ‚Anne Will‘ könnte ein IS-Terrorist drei (!) jesidische Mädchen im Alter von zehn Jahren (Kinder!) zum Vergewaltigen kaufen! WARUM FRAU WILL?“

Nun steht mir Tobias Huch wesentlich näher als Anne Will, jedoch frage ich mich:

Da geht es um die Zukunft Europas, ja, der halben zivilisierten Welt und dann fragen sich geschätzte Kollegen und andere kluge Zeitgenossen doch tatsächlich nach dem Honorar für die verschleierte Muslimin bei Anne Will. Wie kleinmütig und kleinkariert wollen wir denn noch werden? Ist es, weil wir das Große geistig nicht zu fassen vermögen, dass wir uns deshalb am Kleinen aufhängen? Ist das das Niveau, wie wir dieses Thema angehen wollen? Wollen wir so der Gefahr des Untergangs unserer Kultur begegnen, indem wir uns über 500 Euro aufregen?

Ich finde es gut, dass wir solchen Leuten wie der vollverschleierten Muslimin eine Plattform bieten. Warum?

Weil sie so die Gelegenheit bekommen, sich selbst zu entlarven, und alle endlich mal sehen können, womit wir es hier zu tun haben. Diese Leute müssen gestellt werden. Und zwar inhaltlich gestellt. Sie müssen in der Sache vollkommen auseinander genommen werden, dass kein Atom auf dem anderen bleibt. Knallhart aber fair. Das heißt, man muss ihnen die Gelegenheit geben, ihre Argumente vorzutragen, sie ausreden lassen und nicht einen gegen vier antreten lassen, womöglich noch plus „Moderator“, so dass es zu fünf gegen einen wird, und der dann noch ständig unterbrochen wird und man ihn keinen Satz aussprechen lässt, wie man das bei AfD-Politikern ständig macht.

Fairness bedeutet, dass jeder seine Sicht darlegen darf. Diese muss aber nicht kritiklos so stehen gelassen werden. Sie kann attackiert und – wenn sie es verdient, weil sie nichts taugt, weil sie menschenverachtend ist – zerlegt, dekonstruiert, vernichtet werden.

Dazu braucht man natürlich kompetente Leute, die dazu imstande sind. Und man braucht kompetente Gesprächsleiter.

Solche orthodoxe und radikale Muslime einzuladen und ihnen das Wort wie jedem anderen auch zu erteilen, ist aber richtig. Die Menschen sollen sehen und hören, wie diese Leute ticken und was sie in Wahrheit wollen. Sie müssen inhaltlich gestellt werden in Rede und Gegenrede. Und der Gesprächsleiter sollte dabei möglichst neutral sein. So funktioniert ein faires Streitgespräch und so kommen Erkenntnisgewinn und geistiger Fortschritt zustande. So hat jeder die Möglichkeit zu erkennen, wo die Schwächen dieser totalitären Weltanschauung liegen und warum sie so schlimm ist.

Genau dadurch unterscheiden wir uns von der gesamten islamischen Welt, dass niemand unterdrückt wird, dass die Kraft des besseren Arguments zählt und dass niemand sich anderen Sichtweisen und der Kritik durch andere entziehen kann. So sollte es zumindest sein. Das ist das Ideal, an dem wir uns messen lassen müssen.

Aber ist das nicht sehr anstregend? Ja, das ist es. Aber es ist der einzig richtige Weg und der einzige, der unserer würdig ist. Mit weniger dürfen wir uns alle nicht zufrieden geben!

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Dieser Zwischenruf erschien auch auf: fisch+fleisch

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