Gerechtigkeit in der Gesellschaft und in der Seele

Von Jürgen Fritz

Gerechtigkeit in einer Gesellschaft kann es nur geben kann, wenn die Gerechtigkeit sich in den Seelen der Menschen wiederfindet. Das aber heißt harmonische, schöne Seelen, in der die drei Teile derselben – Logos, Thymos, Eros – sich in einem ausgewogenen Verhältnis befinden und alle drei gut entwickelt sind, keiner die anderen vollkommen dominiert und keiner von ihnen völlig verkümmert ist.

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Gerechtigkeit in der Gesellschaft setzt Gerechtigkeit in den Seelen voraus

„Das beste bei Freud finden Sie schon bei Platon“ meinte Jean-Paul Sartre einmal und ich glaube, dass er damit Recht hatte. Der moderne gebildete Europäer, Nordamerikaner oder Australier kennt Freuds Seelenmodell mit den drei Instanzen – Es, Ich, Über-Ich -, er kennt aber nicht mehr das platonsiche Modell, welches dem freudschen in vielem überlegen ist und oftmals eine viel größere Erklärungskraft besitzt.

Platon wusste, was viele, deren Blick sich in Äußerlichkeiten verliert, längst vergessen haben: dass es Gerechtigkeit in einer Gesellschaft nur geben kann, wenn die Gerechtigkeit sich in den Seelen der Menschen wiederfindet.

Seele gleich Innenleben

Mit Seele muss man hierbei nichts Metaphysisches meinen, auch wenn das dem Ausdruck oftmals noch anhaftet. Seele muss man auch nicht verstehen als etwas vom Körper vollkommen Losgelöstes, was in diesen eintauchen und wieder aus ihm entweichen kann, wie dies Platon und viele folgende noch gemeint haben bis hin zu René Descartes, dem Begründer der modernen Philosophie mit seinem Leib-Seele- bzw. Körper-Geist-Dualismus. Auch Unsterblichkeit muss im Seelenbegriff nicht impliziert sein, wie wir das bei Platon und dann natürlich im Christentum finden. Mit Seele meint der moderne Philosoph einfach das Innenleben des Menschen, seine Gefühle, Gedanken, Wünsche, Ängste, Sehnsüchte, Hoffnungen, Begierden usw.

Seele = Verstand + Charakter

Die Seele eines Menschen hängt eng zusammen mit seinem Charakter, geht aber über diesen hinaus. Aristoteles unterschied die Verstandestugenden und die Charakter- oder ethischen Tugenden. Beides zusammen macht erst eine wohlgeformte Seele aus. Inbesondere die Weisheit ist die Tugend des Verstandes, des Logos. Tapferkeit und Mäßigung (oder Besonnenheit, sich zurücknehmen können) sind dagegen Charaktertugenden. Gerechtigkeit im Innern kommt dann zustande, wenn Weisheit, Tapferkeit und Besonnenheit (Mäßigung) zusammenkommen und im richtigen Maß zueinander stehen. Siehe dazu das Bild des Pferdewagens, das sowohl auf den Einzelnen, genauer: seine Seele anwendbar ist als auch auf den Staat respektive die Gesellschaft.

Führen sollte der Logos

Der Wagenlenker (Verstand, Logos, Vernunft) sollte grundsätzlich die Kontrolle haben. Er braucht aber, wenn der Wagen nicht nur sicher, sondern auch schnell vorankommen soll, starke Pferde. Ein wildes (Eros, Begehrungsvermögen), das nur so vor Lebensenergie strotzt, und eines das dem Wagenlenker eher hilft, den Kurs zu halten (Thymos), das wilde wieder auf Linie zu bringen, wenn es auszubrechen droht. Natürlich muss es ein guter Wagenlenker sein, wenn es insgesamt ein gutes Gespann sein soll. Er muss also den Überblick haben und sich auskennen. Wenn er selbst keine Ahnung hat, wo es langgeht (aktuelle Führung des Staates), dann stimmt womöglich die Richtung gar nicht. Und er muss seinen Pferden Freiräume lassen, sie einfach auch mal laufen und sich austoben lassen. Doch zurück zu den Tugenden.

Aufgabe der Erziehung ist die Kultivierung der Seele

Der Mensch wird mit solchen Tugenden nicht geboren, aber er bringt die Anlage mit, sie in sich entwickeln zu können. Die Kultivierung des Charakters und der Seele ist dabei ein langwieriger Prozess des Eingewöhnens und des Einübens (siehe hierzu auch Peter Sloterdijks sehr empfehlenswertes Buch: „Du mußt dein Leben ändern“). So erst entsteht ein zivilisierter Mensch.

Genau dies ist die Aufgabe von Erziehung, die den Einzelnen einerseits für die Gesellschaft tauglich machen, ihn aber andererseits dergestalt fördern soll, ja, muss, will sie keine reine Zurichtung und Dressur sein, dass das in ihm Angelegte sich optimal entfalten, er ganz zu dem werden kann, der er zu werden vermag, sprich ganz er selbst und nicht nur ein Rädchen in einem riesigen Getriebe. Diese Ich-Werdung und diese Einführung in die jeweilige Kultur inklusive der Aufnahme des Gedankens der Gemeinwohl-Orientierung in die eigene Seele sind hochkomplexe Prozesse, die, wie wir alle wissen, leicht fehlschlagen können.

Warum Massenimmigration völlig anders geformter Seelen so gefährlich sein kann

Die Vorstellung nun, man könnte einfach so mal, hunderttausende oder gar Millionen Menschen, die vollkommen anders erzogen wurden, deren Seelen völlig anders geformt sind, die ganz andere Wertvorstellungen in sich tragen und für eine freiheitliche, rechtsstaatliche Demokratie in keiner Weise vorbereitet worden sind, von hier nach da umsiedeln und in eine völlig andere Kultur einpflanzen, eine solche Vorstellung kann nur als eines bezeichnet werden: grenzenlos naiv, um nicht zu sagen hochgradig dümmlich. Naivität und Dümmlichkeit gehören aber ganz sicher nicht in die Führung einer Gesellschaft.

Was macht eine schöne Seele aus?

Gerechtigkeit in der Seele heißt also eine ausgewogene, harmonische, ja, eine schöne Seele. Was ist damit gemeint? Schöne Seele meint, dass die drei Teile derselben sich in einem ausgewogenen, harmonischen Verhältnis befinden: a) der Logos (subjektive Vernunftfähigkeit, Denk- und Urteilsvermögen, Geist), b) der Thymos (Mut, Tapferkeit, Selbstbehauptungswille, Stolz, Ehrgeiz, Gerechtigkeitssinn) und c) der Eros (Begierde, Konsumorientierung, das Wilde in uns, das auch wichtig ist, das uns Lebendigkeit und Vitalität verleiht, zugleich aber gezügelt, kultiviert werden muss).

Wenn alle drei Instanzen gut entwickelt sind, keine die anderen vollkommen dominiert und keine von ihnen völlig verkümmert ist, dann entsteht innere Harmonie nicht nur im Gefühl, sondern im ganzen Sein. Und diese innere Harmonie kann ausstrahlen in die Welt und diese wiederum harmonischer und gerechter machen.

Gerechtigkeit in der Gesellschaft

Eine Gesellschaft aber, in welcher bei der Mehrzahl der Menschen, ein Teil der Seele verkümmert ist, wie bei uns der thymotische (fehlende Wehrhaftigkeit) und in islamischen Gesellschaften der Logos bei enorm mächtigem Thymos (immer sofort gekränkt und beleidigt, immer sofort im Stolz gekränkt – thymotische Fehlsteuerung, weil der Logos vollkommen unterentwickelt ist), eine solche Gesellschaft wird insgesamt krank und ungerecht.

Die Gerechtigkeit lässt sich aber nicht – das verstehen leider so wenige – rein über das Äußere herstellen. Die Gerechtigkeit muss fundiert sein in der Gerechtigkeit des Einzelnen, in der Gerechtigkeit in seinem Innern, in der Gerechtigkeit in seiner Seele. Das aber heißt nichts anderes als: innere Harmonie und innere Schönheit.

Das Innere und Äußere bedingen einander und sind in ständiger Wechselwirkung. Es bedarf der gerechten Menschen, um eine gerechte Gesellschaft zu schaffen und am Leben zu erhalten. Und eine gerechte Gesellschaft kann dann wiederum die nachfolgende Generation zu gerechten Menschen erziehen. Damit ist klar, wo wir ansetzen müssen, wenn wir unsere kranke Gesellschaft nachhaltig heilen wollen: nicht nur im Äußeren, sondern auch im Innern. Das aber heißt in uns selbst.

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Dieser Artikel erschien auch auf Epoch Times.

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11 Kommentare zu „Gerechtigkeit in der Gesellschaft und in der Seele

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