Wahl-O-Matrix: SPD hat gewaltig aufgeholt

Von Jürgen Fritz

Bis Januar lag die SPD noch 15 bis 17 Punkte hinter CDU/CSU. Doch seit der Nominierung von Martin Schulz haben die Genossen gewaltig aufgeholt und liegen jetzt fast gleichauf, während die AfD wieder über 10 Prozent steigt. Was bedeutet dies für das Parteiengefüge und welche Koalitionsmöglichkeiten ergeben sich dadurch nach der Bundestagswahl im September?

Wie die Deutschen derzeit wählen würden

Regelmäßig führen verschiedene Institute Umfragen durch, welche wichtige Hinweise auf die Stimmung und auch das wahrscheinliche Wahlverhalten der Bevölkerung geben. Die wichtigste Frage ist hierbei die sogenannte Sonntagsfrage: Welche Partei würden Sie wählen, wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre? Fassen wir die März-Ergebnisse der führenden Umfrage-Institute (Emnid, Forsa, Forschungsruppe Wahlen, Infratest dimap, INSA, Ipsos) zusammen, so ergebt sich aktuell folgendes Bild.

  1. CDU/CSU: 31 – 34 %, Durchschnittswert: 32,7 %
  2. SPD: 29 – 32 %, Durchschnittswert: 31,2 %
  3. AfD: 9 – 11,5 %, Durchschnittswert: 10,1 %
  4. LINKE: 7 – 9 %, Durchschnittswert: 8,1 %
  5. GRÜNE: 6,5 – 8 %, Durchschnittswert: 7,4%
  6. FDP: 5 – 7 %, Durchschnittswert: 5,8 %
  7. Sonstige: 4 – 6 %, Durchschnittswert: 4,7 %

Wahl-O-Matrix-Sonntagsfrage-BT-19.03.2017

Anmerkung: Allensbach und GMS wurden nicht berücksichtigt, weil deren letzte Umfragen bereits mehr als ein Monat zurückliegen (Anfang/Mitte Februar). Die Werte des umstrittenen Forsa-Instituts, die seit langem schon besonders frag- und unglaubwürdig erscheinen – der Forsa-Chef Güllner ist seit Jahrzehnten selbst SPD-Mitglied, scheint große Sympathien für die Merkelpolitik zu hegen und versucht, die AfD regelrecht zu bekämpfen, wo er nur kann, woraus er auch keinen Hehl macht -, sind hier gleichwohl, trotz dieser großen Fragwürdigkeit miteingerechnet.

Veränderungen zur letzten Bundestagswahl 2013

  1. SPD: + 5,5 %
  2. AfD: + 5,4 %
  3. FDP: + 1,0 %
  1. LINKE: – 0,5 %
  2. GRÜNE: – 1,0 %
  3. Sonstige: – 1,5 %
  4. CDU/CSU: – 8,8 %

Gewinn-Verluste-19.03.2017

Wie stehen die Parteien zueinander und im Gesamtgefüge?

Die Parteien lassen sich folgenden vier Blöcken zuordnen:

A: AfD
B: CDU/CSU, FDP
C: SPD, GRÜNE
D: LINKE

Mit der Entstehung der beiden Parteien Die Linke (Linkspartei/PDS/SED) und AfD – Alternative für Deutschland – ist es keinem der Blöcke mehr möglich, eine eigene Mehrheit zustande zu bringen. Regierungsbildungen sind seither nur noch herstellbar, wenn mindestens eine Partei in einen anderen Block springt. Das waren zuletzt CDU/CSU und SPD, die sich quasi in der Mitte getroffen haben und denen das noch am leichtesten fallen dürfte, da die Unterschiede hier zunehmend zusammengeschmolzen und die Parteien sich allmählich immer ähnlicher geworden sind (Stichwort: Sozialdemokratisierung der CDU).

Die Grünen haben dagegen eine Entwicklung durchgemacht, dass sie sowohl mit dem B- als auch mit D-Block koalieren können. Sie sind sehr biegsam geworden, wenn man so will, wenn dadurch Machtoptionen möglich werden. Das strategische Ziel dürfte hier wohl seit langem sein, die Zünglein-an-der-Waage-Funktion zu übernehmen, die früher die FDP innehatte.

Auch in der Merkel-CDU dürfte seit Jahren der Plan bestanden haben, eine Schwarz-Grüne-Koalition vorzubereiten, da man gemerkt hatte, dass es mit Schwarz-Gelb auf Jahre hinaus sehr unwahrscheinlich ist, nochmals eine Mehrheit zustande zu bekommen und da man nicht ständig eine sogenannte große Koalition (GroKo) haben wollte. Daher die extreme Grünisierung der CDU, sicherlich auch aus machtstrategischen Gründen.

Mögliche Koalitionen

Mit der AfD (A-Block) will derzeit keine andere der relevanten Parteien koalieren. Die Parteien aus dem B- und D-Block schließen ebenfalls jede Koalition miteinander aus, so dass dem C-Block quasi eine Mittel- und Springfunktion zukommt. SPD und Grüne (C-Block) sind in der komfortablen Situation, dass sie zwischen dem B- und D-Block hin und her springen können, während die Parteien des B-Blocks (CDU/CSU und FDP) sich vom A-Block hermetisch abriegeln und ebenso vom D-Block. Für sie bleibt also nur der C-Block, sprich die SPD oder die Grünen.

Auf Grund der 4 bis 6 Prozent für sonstige Parteien, die im Bundestag wegen der Fünf-Prozent-Klausel alle nicht vertreten sein werden, dürften für eine Mehrheit ca. 47 bis 48 Prozent reichen. Somit ergeben sich folgende Möglichkeiten für eine Regierungskoalition:

  1. eine GroKo unter Merkel (oder Schulz): aktuell ca. 64 %
  1. Rot-Rot-Grün (R2G) unter Schulz: ca. 46 – 47 %
  2. Jamaika / schwarze Ampel (Schwarz-Gelb-Grün) unter Merkel: ca. 46 %
  3. Ampel (Rot-Gelb-Grün) unter Schulz: ca. 44 – 45 %
  1. Schwarz-Grün unter Merkel: ca. 40 %
  2. Rot-Grün unter Schulz: ca. 38 – 39 %
  3. Schwarz-Gelb unter Merkel: ca. 38 – 39 %

Die kleinen Zweierbündnisse (5 – 7) haben wohl keinerlei Chancen, eine Mehrheit zustande zu bringen. Die Dreierbündnisse (2 – 4) haben dagegen zumindest eine halbwegs realistische Option auf eine Mehrheit. Sie müssen lediglich noch zwei, drei Punkte zulegen, was leicht passieren kann. Am wahrscheinlichsten dürfte aber eine weitere GroKo sein, wobei hier für die SPD inzwischen tatsächlich die Chance besteht, Merkel abzulösen und selbst den Kanzler zu stellen. Seit Schulzens Nominierung Ende Januar ist der Vorsprung der CDU/CSU nämlich von ca. 15 bis 17 auf nur noch 1 bis 2 Punkte regelrecht dahingeschmolzen. Die SPD ist also in Schlagweite.

Was wählen, wenn man die Grünen verhindern will?

Eine große Koalition wäre übrigens die einzige Möglichkeit, dass die Grünen nicht in die nächste Regierung einziehen. Bei den drei Dreierbündnissen (2 – 4) wären sie nämlich immer mit dabei. Wer also in einer grünen Regierungsbeteiligung das größte Übel sieht, der muss im Grunde auf eine GroKo hoffen. Eine andere Möglichkeit gibt es nicht.

Und für diesen Personenkreis ist es auch nicht ratsam, SPD, LINKE, CDU/CSU oder FDP zu wählen, da man dann unter Umständen seine Stimme Rot-Rot-Grün, einer Jamaika- (Schwarz-Gelb-Grün) oder einer Ampel-Koalition (Rot-Gelb-Grün) gibt.

Wer für SPD oder LINKE votiert, wählt nämlich mit nicht geringer Wahrscheinlichkeit Rot-Rot-Grün, also indirekt die Grünen in die Regierung.  Genauso wer CDU/CSU oder FDP wählt. Der votiert nämlich unter Umständen für die schwarze Ampel: Jamaika.

Es gibt nur einen Block, mit dem die Grünen auf keinen Fall koalieren. Somit ist jede Stimme für diesen Block definitiv, auch nicht indirekt eine Stimme für die Grünen. Und die Gefahr, dass es für eine weitere GroKo mehrheitsmäßig nicht reichen könnte, wenn man seine Stimme weder CDU/CSU noch SPD, sondern der AfD gibt, diese Gefahr besteht ohnehin nicht, denn ein Absturz von 64 Prozent auf unter 48 Prozent kann definitiv ausgeschlossen werden.

Und übrigens, gar nicht zur Wahl zu gehen oder den Stimmzettel ungültig zu machen, bedeutet, die Entscheidung vollkommen den anderen zu überlassen und deren Votum zu hundert Prozent zu bestätigen, seine Stimme also zu rund 30 Prozent jeweils der Union und der SPD zu geben, zu 10 Prozent der AfD usw. – und natürlich zu rund 7 Prozent den Grünen, somit aber die Chance zu vertun, ein Korrektiv darzustellen.

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Dieser Artikel erschien auch auf EPOCH TIMES (Platz 1 bei „Meistgelesen“) und als Reblog auf Philosophia perennis.

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Lesen Sie hier:

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Grafiken: Ⓒ Jürgen Fritz

Fotos: Angela Merkel von https://www.flickr.com/photos/eppofficial/ [CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)%5D, via Wikimedia Commons. Martin Schulz von Foto-AG Gymnasium Melle [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons.

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10 Kommentare zu „Wahl-O-Matrix: SPD hat gewaltig aufgeholt

  1. Ist das nicht schön?
    Die SPD blüht und besteht z.Zt. nur aus Schulz, Schulz und nochmals Schulz.
    Wie sie zuvor nur aus Gabriel und Oppermann bestand und welkte.

    Sanctus-Sozi Martin wird es richten?
    Mit welchen Leuten denn?
    Statt mit intellektuell aufgeblähter Wahlarithmetik, die prekär überlebende Wahlberechtigte sowieso nicht verstehen, sollte man mal mit denkbaren Kabinett-Kombinationen spielen und die Steine umdrehen, die nicht einmal im Talkshow-Licht besonders glänzen.

    Mit wem will die rote Notbremse Schulz die BRD unter sozial gerechten Dampf bringen?
    Wie kommt er um Schäuble und die CDU-Granden herum, falls die SPD gewinnt und Schulz Kanzler werden kann?
    Da wird guter Rat sehr teuer…
    MfG

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  2. Hat dies auf philosophia perennis rebloggt und kommentierte:

    Wer für SPD oder LINKE votiert, wählt nämlich mit nicht geringer Wahrscheinlichkeit Rot-Rot-Grün, also indirekt die Grünen in die Regierung. Genauso wer CDU/CSU oder FDP wählt. Der votiert nämlich unter Umständen für die schwarze Ampel: Jamaika.

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  3. Solange die AfD nicht mit Linksrotgrün koaliert und nur als Mehrheits-Kanzlerpartei mit der CSU und der CDU ohne Merkel zusammengeht, sollen mir alle Planspiele egal sein. Letztendlich ist es ja doch bloß ein Zwei-Parteien-System in Deutschland. Auf der einen Seite die rechtstaatlichen und gesetzestreuen Demokraten der AfD und auf der anderen alle Altparteien. Da gibt es für einen aufrechten Demokraten keine offenen Fragen hinsichtlich einer Wahlentscheidung.

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  4. Die SPD stimmt mit 100% für Schulz. Das kommt uns doch bekannt vor. Da gab es mal eine Partei mit Namen SED. Und wer glaubt ihm??
    Ich nicht, ob Merkel mit oder ohne Bart.
    Und die SPD ist berauscht und Schulz auch.
    Der Kater danach wird wohl extrem.
    Jede Variante oben ist doch gleich schlimm für unser Land.

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  5. Was mich in dem Zusammenhang am meisten erschüttert ist der vermeintliche oder tatsächliche Fakt, daß die bloße Ankündigung, ein abgewrackter EU-Bürokrat kehrt als „Hoffnungsträger“ für die SPD aus Brüssel zurück, mit der Bereitschaft, sich um die Kanzlerschaft in Berlin zu bewerben, kurzfristig von jetzt auf gleich zu einem spektakulären Stimmengewinn für die Zombie-Partei geführt hat.
    Was geht nur in den Menschen vor, die einem solchen Typen mit prekärem Persönlichkeitsprofil und ob seiner „Verdienste“ als „Heilsbringer“ hinterherlaufen?
    Wie sind diese kognitiv und seelisch-mental beschaffen? Armselig! Dies gilt im übrigen nicht minder für die Entwicklungstendenzen des übrigen SED-„Spektrums“, einschließlich der so schlecht wie gar nicht vorhandenen „Alternativen“ (verwaschen und zerstritten)…

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  6. Was den Unterschied – im Heute – zwischen einem Messias und einem Teufel ausmacht habe ich verstanden …
    Ich frage mich allerdings wie MessianerIn oder TeufelIn ins Mischmasch der Geschlechter passt ?
    Aber da wird sich eine Lösung finden … zur Not trägt Frau eine Vagina auf dem Kopf während sie dem Mann vorwirft seinen Kopf zu verlieren wenn der „Sonnenkönig“ erwacht …

    IRRE – die Welt ist so IRRE wie nie zuvor !!!
    Und das wird FOLGEN haben wie nie zuvor !!!

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