Etwas ist faul im Staate Dänemark

Von Jürgen Fritz

Welch Ende wird das nehmen?

hamlet-Sir-Laurence-Olivier (2)

Ein falsches Wort schon kann genügen. Die falsche politische Meinung, ein unbedachter Satz. Oder einfach nur das Pech, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein. Dann sind sie da. Dann kommt die Bande aus ihren Löchern und stürzt sich über einen her.

Zuerst setzt es einzelne Schläge. Zur Warnung: „Überleg dir fortan recht gut, was du sagst oder schreibst!“ Wer kuscht, von dem wird abgelassen. Doch wehe, jemand begehret auf. Dann werden die Schläge härter und gehen dahin, wo es besonders schmerzt. Zunächst von zweien, dann von dreien und dann bisweilen von der halben Bande. Wer dann noch immer nicht gibt klein bei, der muss, wenn er dann zu Boden geschlagen, auch mit Tritten rechnen. Und wenn einer auch dann noch nicht kuscht, dann werden die dreieckigen Schlagringe gezückt. Jetzt erst sind die Schläger so richtig in ihrem Element.

Und nun hat die Bande auch noch einen geistlichen Beistand. Geistig-moralisch abgehalfterte Gestalten, die sich immer gerne andienen. So sichern sie ihre Position. Die eine Hand wäscht die andere. Sie segnen die Schläger in ihrem gerechten Kampf und hauen noch gleich mit. Endlich können auch sie mal zuschlagen. Sonst ist immer wenig Gelegenheit. Natürlich für die gute Sache! Wie denn sonst? Endlich ist sie wieder da: die Inquisition.

Und die Ordnungsmacht? Die Vasallen des Königs können ja nicht alles sehen. Und der ein oder andere ist auch schon mal behilflich der Bande. Man kennt sich.

Schließlich ist da noch der junge Prinz von der Saar. Ein smarter Gerechter, der seine Schlägertrupps sorgfältig bauet auf. Immer mehr und mehr. Und immer weniger wird erlaubt. Stets trägt er ein dickes Buch unterm Arm. Die Verfassung des Königreichs, die über allem steht. So hört man ihn allenthalben. „Aber was geschieht im Reich ist doch schon lange nicht mehr im Einklang …“ will einer sagen. Doch da spürt er schon den Ellbogen mit voller Wucht in seinen Rippen.

Längst hat der Prinz seine Rüden herbeigerufen. Sofort sind sie zur Stelle, wenn sie gebraucht. Und werden dafür nicht schlecht entlohnt. Nie ging es ihnen besser. Endlich dürfen sie richtig zubeißen. Vollkommen legal natürlich. Sie tun nichts Schlechtes, nein, sie dienen ja dem Reich und der rechten Sache, die nun eine linke ist. Und schon fletschen sie wieder ihre Zähne. Die Zähne im Fleisch des „Bösen“. Was könnt‘ es Schön‘res geben.

Dann schleppen sie einen zum Prinzen und legen ihn vor diesen hin. Arme und Beine fest im Griff, dass er nicht zucken kann. Auch der Kopf wird fixiert, wird überdehnt. Der Prinz nimmt das dicke, schwere Buch. Er hebt es hoch, ganz hoch über den Kopf. Holt weit, weit aus. Dann saust es nieder, trifft mit voller Wucht den Kehlkopf des so Fixierten. Man hört ein Knacken. Die Rüden kreischen vor Freude. Der wird so schnell nichts mehr von sich geben, zischt einer.

Die Leute sehen’s. Und alle wissen, was auch ihnen jederzeit könnt‘ blüh’n. Rasch drehen sich alle Köpfe weg. Keiner hat etwas gesehen. Und wenn doch, ist’s schon vergessen. Man hat anderes zu tun. Muss kümmern sich um vielerlei. Hat keine Zeit für solche Dinge. Einige wenige schreien ein, zwei Minuten. Wie ungerecht das alles wär. Doch dann gehen sie ihrer Wege. Hat ja doch alles keinen Sinn.

Die Königin aber blickt über alles hinweg. Sie sieht und hört nichts. Sie spricht kein Wort. Ab und zu jedoch ist sie zugegen. Einer ruft: „Die Königin ist ja nackt. Sie hat ja gar nichts an. Sie dient nicht uns. Sie ist nicht uns’re Königin. Sie dient ja denen dort.“ Der letzte Satz war einer zu viel. Aus dem Hintergrund hört man ganz leise eine Stimme. Leise, aber scharf. Die Königin wirkt verängstigt fast.

Der Prinz blickt zu ihr hoch und seine Rüden zu ihm hin. Ein Augenschlag, ein angedeutetes Nicken. Dann wendet sich der Blick der Königin wieder ab. Nun schauen die Rüden zum Prinzen. Er nickt. Jetzt wissen sie: der gehört uns. Mit dem können wir machen, was wir wollen. Der Prinz dreht sich um und weg ist auch er. Im Halbdunkel sieht man Zähne blitzen. Dann hört man einen Schrei, den niemand hört.

Etwas ist faul im Staate Dänemark.

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Bild: Youtube-Screenshot

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8 Kommentare zu „Etwas ist faul im Staate Dänemark

  1. Ach wenn es doch blos Dänemark währ. In diesen Zusammenhang kann ich nur aus Margaret Thatcher Seminar vor der Wiedervereinigung zetieren: „Die Deutschen neigen zur Gehirnwäsche und haben die Fähigkeit zum Exezes.“ Bin gerade auf einen sehr schönen Begriff gestoßen der diesen geselschaftlichen Zustand sehr gut Definiert. Normopathie was in einfachen Worten nichts anderes bedeutet als, wenn die Mehrheit eine gewisse Meinung hat………. dann kann Sie nicht falsch sein. Der Vortrag „Das falsche Leben unserer Gesellschaft“ aus dem ich diesen Begriff entnommen habe, wurde sogar an einer deutschen Uni gehalten und ohne das Herr Dr. Hans-Joachim Maaz gesteinigt wurde. Es gibt Sie also noch die zarten pflänzchen der Vernunft.

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